Nahrungsergänzungsmittel werden von der Werbung als gesundheits- und leistungsfördernd gepriesen, während die Risiken gern verschwiegen werden. Dabei reicht eine ausgewogene Ernährung normalerweise aus, um den Körper mit allem Notwendigen zu versorgen – auch im Leistungsport.
"Als Leistungssportlerin brauche ich Vitamintabletten, um meinen Bedarf
zu decken."
"Ohne Proteinkonzentrate klappt das mit dem Muskelaufbau
nicht!"
So oder ähnlich denken viele Athletinnen und Athleten, und die
Werbung bestärkt sie darin. Was die Werbung nicht verrät: Die Risiken
von frei verkäuflichen Nahrungsergänzungsmitteln sind meist höher als
der Nutzen.
Gesunde Ernährung reicht grundsätzlich aus
Über
eine ausgewogene Ernährung mit viel frischem Obst und Gemüse,
Vollkornprodukten, Fleisch, Fisch und Milchprodukten bekommt der Körper
normalerweise alles, was er braucht. Sicher ist es richtig, dass bei
hohen körperlichen Belastungen wie im Leistungsport auch der
Nährstoffverbrauch höher ist. Aber Sportlerinnen und Sportler haben auch
mehr Appetit, essen in der Regel mehr und nehmen deshalb auch mehr
Nährstoffe auf als Menschen, die körperlich weniger aktiv sind. So wird
der erhöhte Bedarf über die Ernährung wieder ausgeglichen, und es ist im
Normalfall völlig unnötig, mit Pülverchen und Pillen "nachzuhelfen".
Nebenwirkungen nicht ausgeschlossen
Grundsätzlich
sind Vitamine und Mineralstoffe, Proteine und Kohlenhydrate nichts
Gefährliches, schließlich nehmen wir sie ja auch mit der täglichen
Nahrung zu uns. Aber auch hier gilt ein alter Grundsatz der Medizin:
"Die Dosis macht das Gift." Werden einzelne Nährstoffe in zu großen
Mengen zugeführt, können sie zu Nebenwirkungen führen und der Gesundheit
ernstlich schaden. Frei verkäufliche Nahrungsergänzungsmittel enthalten
oft Nährstoffe in völlig überhöhten Mengen, mögliche Risiken werden
verschwiegen oder sind nur im Kleingedruckten zu finden.
Dopingfalle Nahrungsergänzungsmittel
Für
Athletinnen und Athleten bergen Nahrungsergänzungsmittel aber noch ein
anderes Risiko: Sie können Substanzen enthalten, die im Leistungssport
verboten sind, ohne dass dies auf der Packung angegeben ist. So wurden
bei Untersuchungen des Institutes für Biochemie an der Deutschen
Sporthochschule Köln in 94 von 634 Nahrungsergänzungsmitteln (14,8 %)
positive Befunde für verbotene anabol-androgene Steroide (sogenannte
Prohormone) gefunden, die nicht auf der Packung deklariert waren. Die
Einnahme solcher Mittel kann zu positiven Doping-Proben führen.
Das Risiko trägst du allein
Wenn
es aufgrund von verunreinigten Nahrungsergänzungsmitteln zu einer
positiven Dopingprobe kommt, so hat das prinzipiell dieselben
Konsequenzen wie absichtliches Doping. Denn nach dem NADA-Code sind
Athletinnen und Athleten selbst für das verantwortlich, was in ihren
Körper gelangt, sei es beabsichtigt oder unwissentlich. Bei einem
positiven Analyseergebnis droht eine Sanktionierung, egal wie das
Ergebnis zustande gekommen ist.
Genau hinsehen
Angesichts
solcher Risiken ist Vorsicht angebracht, auch bei scheinbar gut
gemeinten Ratschlägen. Es kann passieren, dass dir deine Eltern, deine
Trainerin oder dein Trainer, dein Sportverband oder der OSP die Einnahme
von Vitamintabletten und Ähnlichem empfehlen, weil sie glauben, dir
damit etwas Gutes zu tun. Trotzdem solltest du solchen Empfehlungen
nicht ohne weiteres folgen. Nur die Ärztin oder der Arzt kann
zuverlässig feststellen, ob wirklich ein Mangel besteht, zum Beispiel
durch eine Blutuntersuchung. Wenn das der Fall ist, bekommst du
entsprechende Arzneimittel verschrieben. Wichtig für dich sind die
W-Fragen: Was nimmst du, warum nimmst du es und woher bekommst du es?
Gut beraten
Um die Leistung zu steigern, kann es hilfreich sein, die ganz normale
Ernährung unter die Lupe zu nehmen. Vielleicht gibt es in deinem Umfeld
sogar Angebote von Ernährungsberatern, die dir helfen können, deine
Essgewohnheiten zu optimieren. Eine Ernährungsberatung kann auch für
deine ganze Trainingsgruppe von Interesse sein. Sprich doch deine
Trainerin oder deinen Trainer mal darauf an.